Gemeinderat nimmt Stellung zu den Aussagen der Initianten
An der Gemeindeversammlung vom 22. Januar 2026, online und in Form eines Falt-Flyers haben die Initianten der Pluralinitiative «Ja zum Neubau Alterszentrum Baum des Lebens» in Schübelbach Argumente vorgebracht, zu denen der Gemeinderat Schübelbach Stellung nehmen möchte. Nachfolgend die im Flyer des Initiativkomitees aufgeführten Argumente und die Richtigstellung durch den Gemeinderat:
Initianten: «Ohne den ‹Baum des Lebens› fehlen uns 2030 21 Plätze, 2035 sind es 37 Pflegeplätze.»
Gemeinderat: Der Mehrbedarf ist unbestritten. Entscheidend ist jedoch die Nachhaltigkeit. Das teure Projekt «Baum des Lebens» schafft nur 40 Plätze. Gleichzeitig fallen 24 weg – der Nettoeffekt (+16) ist gering. Bereits bei der Eröffnung ist das neue Alterszentrum zu klein und nicht erweiterbar. Es löst das Problem nur kurzfristig und blockiert eine langfristige Lösung.
Initianten: «Mit der Verwirklichung von Pflegewohngruppen entstehen genügend Kapazitäten über das Jahr 2045 hinaus.»
Gemeinderat: Pflegewohngruppen können standortunabhängig realisiert werden und sind kein Argument für den «Baum des Lebens». Im Gegenteil: Mit modularer Bauweise, wie sie beim Projekt des Gemeinderates vorgesehen ist, kann jederzeit darauf Rücksicht genommen werden. Pflegewohngruppen decken aber nur ein Teil der Bedürfnisse ab, das zeigt auch unsere Umfrage.
«Die Zwischenlösung ermöglicht 15 Jahre lang äusserst günstige Pflegeplätze.» Und:
«Das Provisorium für den Neubau des ‹Baum des Lebens› kann weiter betrieben werden. Dadurch verfügt die Gemeinde bis 2037 über mehr als genug Pflegeplätze.»
Gemeinderat: Das Provisorium ist im Projekt «Baum des Lebens» für eine Nutzungsdauer von zwei bis vier Jahren ausgelegt. Für einen Langzeitbetrieb muss das Projekt angepasst und allenfalls neu bewilligt werden. Dazu gehören auch Investitionen in die Infrastruktur, für Parkplätze, Aussenräume, Küche etc., wodurch es seine angebliche Kostenvorteilhaftigkeit verliert. Für Bewohnerinnen und Bewohner, welche beschränkt mobil sind, ist der Standort sicher ungeeignet.
«Durch den Vorschlag des Gemeinderats, den ‹Chromenhof› einzuzonen, wird das Alterszentrum ‹Baum des Lebens› in absehbarer Zeit ausbaufähig.» Und: «Das vom Gemeinderat vorgeschlagene Grundstück ist sehr wertvoll für die Zeit ab 2035. Hilft es doch, den ‹Baum des Lebens› zu erweitern und zusätzliche intermediäre Angebote zu entwickeln.»
Gemeinderat: Die Einzonung des Gebiets «Chromenhof» wurde für einen Neubau zugesagt, nicht als Reserve. Eine Abfolge von Provisorium auf der Sigristenwiese, Abriss des APHO, Neubau und späterer Erweiterung auf dem «Chromenhof» ist planerisch und wirtschaftlich unrealistisch.
Initianten: «Mit dem Alterszentrum ‹Baum des Lebens› beginnt die regionale Zusammenarbeit sofort. Schon 2030 fehlen in der March 50 Pflegebetten. Derzeit ist keine Lösung in Sicht wie die, welche der ‹Baum des Lebens› bietet.»
Gemeinderat: Das Projekt «Baum des Lebens» sieht Eigenständigkeit und keine Zusammenarbeit vor. Dass es eine Zusammenarbeit braucht, haben die Gemeinden realisiert und werden in Kürze eine gemeinsame Erklärung unterzeichnen. Das neue Gesetz über soziale Einrichtungen (SEG) ist in der Entstehung. Der Neubau kann sich der neuen Gesetzgebung anpassen. Das fix geplante Projekt «Baum des Lebens» kann dies nicht. Ziel ist, dass wir ab 2030 mit dem Bau des modularen Alterszentrum starten können.
Initianten: «Was nützt der perfekte Standort, wenn er zu spät kommt? Wir können und wollen nicht 10 oder mehr Jahre warten, bis ein Neubau ein (zu) grosses Pflegeheim möglich macht.»
Gemeinderat: Der Bau auf «grüner Wiese» ist wesentlich schneller und günstiger umsetzbar als auf dem verwinkelten Grundstück am alten Standort. Wenn das APHO ertüchtigt ist, sind 24 Plätze bis 2037 (evtl. bis 2042) gesichert. Wenn, wie erwähnt worden ist, jemand eine Pflegewohngruppe eröffnet, haben wir genügend Plätze bis zum Neubau am neuen Standort. Ziel ist, nach einer Volksabstimmung im Jahr 2027 im optimalen Fall ab 2030 am neuen Standort bauen zu können.
Ob der «Baum des Lebens» rechtzeitig realisiert werden kann, ist unsicher. Einsprachen oder Mehrkosten würden Verzögerungen nach sich ziehen. In der Zwischenzeit würde das APHO seine Betriebsbewilligung verlieren und 24 Pflegeplätze würden wegfallen – eine untragbare Situation für Bewohner und Personal.
Initianten: «Einsprachen? Hat der Gemeinderat Angst vor der eigenen Bevölkerung? Und: Eine Einzonung in 10 Jahren wäre denselben Gefahren ausgesetzt.»
Gemeinderat: Die Erfahrung zeigt, dass vor allem grosse Projekte kaum ohne Einsprachen bleiben. Unabhängig davon, wie qualitativ die Einsprache ist, kann sie das Vorhaben Monate hinausziehen. Und nochmals: Der Gemeinderat möchte nicht erst in zehn Jahren, sondern in diesem Jahr die Einzonung vorbereiten.
Initianten: «Der Gemeinderat ist schlecht informiert. Sein eigenes Heim, die Obigrueh in Schübelbach mit 25 Betten hatte zwischen 2015 und 2024 keine Personalprobleme und in diesen Jahren immer zwischen zwei und vier Auszubildende angestellt.»
Gemeinderat: An der Anzahl Auszubildende hat sich nichts geändert. Ein grosser Betrieb ist für Lernende attraktiver als ein kleines Heim. Es gibt mehr «Krankheitsbilder», womit die Ausbildung vielfältiger wird. Die Unsicherheit über die Zukunft des APHO belastet Personal und Heimleitung deutlich stärker als die aktuelle Betriebsgrösse.
Initianten: «Die Gemeinde investiert nicht wie suggeriert 35.5 Millionen Franken, sondern nur 7.5 Millionen.»
Gemeinderat: Tatsächlich investiert die Gemeinde 15 Mio. Franken und übernimmt zusätzlich eine Bürgschaft für weitere 17.7 Mio. Franken Fremdkapital (Preisstand aus dem Jahr 2023, ohne Teuerung). Der Aktienanteil von 7.5 Mio. ist gebundenes Vermögen und von der steuerbefreiten AG gibt es keine Dividende. Zusätzlich haftet die Gemeinde für den gesamten Kredit.
Initianten: «Die Kosten pro Pflegeplatz liegen im schweizerischen Mittel.»
Gemeinderat: Durch die Tiefgarage, das breitgefächerte Angebot und die komplexe Bauweise entstehen überdurchschnittlich hohe Baukosten pro Pflegeplatz, diese liegen über dem schweizerischen Mittel. Diese Kosten wären bei einem grösseren, frei planbaren Neubau ohne Provisorium (3.8 Mio Franken) deutlich tiefer.
Initianten: «Durch das Alterszentrum ‹Baum des Lebens› müssen pflegebedürftige Schübelbachnerinnen und Schübelbachner nicht in andere Gemeinden oder Kantone ausweichen. Somit sind diese Menschen nicht gezwungen, jedes Jahr mindestens zusätzliche 10'800 Franken für den Pflegeheimaufenthalt auszugeben.»
Gemeinderat: Zunächst einmal muss gesagt sein, dass heute weniger als die Hälfte der Bewohnerinnen und Bewohner in der «Obigrueh» Einheimische sind. Die Heimtaxen im APHO sind in den kleinen Zimmern günstig. Bei einem Neubau müssen diese angehoben werden. Weil die Abschreibungen hoch sind, werden sie höher sein als bei den benachbarten Institutionen.
Initianten: «Eine gemeinnützige AG ist das Richtige. Die Statuten sind vom Gemeinderat bereits veröffentlicht. Ein kompetenter Verwaltungsrat ist in spätestens zwei Monaten installiert.»
Gemeinderat: Einen Verwaltungsrat zu bestimmen, kann in der Tat zeitnah umgesetzt werden – sofern sich genügend fachlich geeignete und langfristig motivierte Personen zur Verfügung stellen. Im Moment geht es aber noch nicht ohne die Politik. Das Aufgabengebiet ist umfangreich (Bau, Pflege, Finanzen etc.) und die finanziellen Risiken sind gross. Wir als Gemeinde müssen uns bewusst sein: Wenn mit einem Bau gestartet wird, gibt es kein Zurück mehr. Egal, was es am Ende kostet. Aktuell sieht man gerade beim Spital Wetzikon, was passiert, wenn während des Baus das Geld ausgeht. Dort zeichnet sich ein Konkurs der AG ab (siehe dazu NZZ-Bericht vom 3. Februar 2026).
Zugehörige Objekte
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| 2026-02-09_Klarstellung Gemeinderat (PDF, 231 kB) | Download | 0 | 2026-02-09_Klarstellung Gemeinderat |